Genfreie Zone

In München gibt es ein Festival, Tollwood, das etwas alternativ angehaucht ist. Man bekommt dort Essen aus aller Welt und kann allen möglichen esoterischen Kram kaufen. Jahrelang wurde an fast jedem Stand dort mit einem großen gelben Schild angepriesen: Genfreie Zone.

Dieses Schild ist für mich ein Zeichen der völligen Unwissenheit der Bevölkerung über alles, was mit Gentechnik zu tun hat. Gentechnik ist etwas schlechtes, und wir müssen verhindern, dass unser Essen gentechnisch verändert wird. Das soll dieses Schild aussagen: Unser Essen ist frei von Gentechnik. Natürlich ist es absurd, das als „Genfreie Zone“ auszuschildern, und das ist den Machern mittlerweile scheinbar auch klar geworden, denn die Aufschrift wurde vor einigen Jahren geändert. Die einzige genfreie Zone, die sich in unserem unmittelbaren Umfeld befindet, ist der Weltraum.

Jedes Lebewesen, vom Bakterium zum Schnabeltier, enthält Erbgut in Form von DNA in seiner/seinen Zellen, und dieses Erbgut wäre reichlich unnütz, würde es keine Gene enthalten. Als Gen bezeichnet man alles, was von der DNA abgelesen und übersetzt wird, nicht zwangsläufig aber häufig in ein Protein. Proteine sind die Arbeiter der Zelle, ohne sie wäre kein Leben möglich. Gene sind also essentiell, und eine genfreie Zone ist alles andere als wünschenswert.

Aber kommen wir zurück zur gentechnikfreien Zone. Was ist Gentechnik? In der so genannten grünen Gentechnik werden bei Lebensmitteln wie Tomaten oder Mais mittels so genannter Vektoren gezielt das Erbgut verändert, um einen gewünschten Effekt zu erzielen. Eines der berühmtesten Beispiele ist die Anti-Matsch-Tomate, bei der effektiv ein Gen abgeschaltet wurde, das die Zellwände abbaut. Die Anti-Matsch-Tomate kann deshalb länger reifen und wird nicht so schnell schlecht wie eine normale Tomate.

Ich verstehe, dass das für viele Leute erst einmal unheimlich klingt. Vielleicht spielt da der Aspekt rein, dass der Mensch „Gott spielt“ und die Natur verändert, wahrscheinlicher aber ist einfach nur, dass sie nicht verstehen, was passiert. Es gab eine Studie, bei der sich herausstellte, dass ein Großteil der Menschen denkt, wenn sie gentechnisch veränderte Lebensmittel zu sich nehmen, würde sich auch ihr eigenes Erbgut verändern. Das ist natürlich Quatsch. Wenn man eine Anti-Matsch-Tomate isst, merkt der Körper das überhaupt nicht.

Dass die Technik so weit ist, dass wir gezielt Erbgut verändern können, ist an sich etwas Großartiges. Es zeigt, welche Erfolge wir in der Forschung geschafft haben, die Zelle so weit zu verstehen und gezielt eingreifen zu können. Wie genau das gemacht wird, ist erstmal egal. Grüne Gentechnik hat nämlich eine verblüffende Ähnlichkeit zu etwas, das die Menschheit schon immer gemacht hat: Wir verändern gezielt das Erbgut von Pflanzen und Lebewesen, um einen für uns gewünschten Effekt zu erzielen, nicht erst seit der grünen Gentechnik.

Züchtung. Es gibt zwei große Unterschiede zwischen Züchtung und grüner Gentechnik: Grüne Gentechnik ist gezielt und hat weniger unerwünschte Nebeneffekte, und die Umsetzung ist eine andere. Das Ziel ist das gleiche. Nehmen wir mal den Mais als Beispiel, denn Mais ist ein Gemüse, das am häufigsten gentechnisch verändert wird. Der Mais, den wir heute essen, hat mit dem ursprünglichen Mais nichts mehr zu tun. Sowohl optisch, als auch genetisch. Über sehr lange Zeiträume wurde Mais so hingezüchtet, dass er eine möglichst große Ausbeute bringt und gegen möglichst viele Insekten resistent ist. Für mich ist das auch Gentechnik, wenn auch sehr langsame.

Ein sehr viel grausameres Beispiel findet sich in der Tierwelt. Hunde und Katzen werden, wie viele andere Tierarten, schon seit sehr langer Zeit gezüchtet. Deshalb gibt es so viele verschiedene Rassen – nicht, weil der liebe Gott so viele Tierarten haben wollte, sondern weil der Mensch sie geschaffen hat. So viel zum Thema Gott spielen. Ein offensichtlicher Zuchtfall ist der Dackel, der auf „kurze Beine“ optimiert wurde, um besser in Hasenbauten zu passen. Erlaubt hat uns das niemand, aber darüber beschwert hat sich auch nie jemand, egal wie oft einem ein Dackel über den Weg läuft, der seinen eigenen Bauch über den Boden schleift.

Andere Hunderassen wurden so gezüchtet, dass sie oft nicht mehr selbst gebären können, weil ihre Köpfe zu groß und ihre Becken zu schmal sind. Bei französischen Bulldoggen zum Beispiel muss häufig mit einem Kaiserschnitt nachgeholfen werden. Da Züchtung weniger gezielt vorgehen kann als Gentechnik, wurde hier auch oft zum Inzest gegriffen, um ein bestimmtes Merkmal durchzusetzen. Angenommen, man hat ein Merkmal wie helle Augen, das extrem selten ist, das man aber gerne in nachfolgenden Generationen hätte. Nehmen wir auch an, dieses Merkmal wird von einem einzigen Gen ausgelöst, auch wenn das in der Realität so gut wie nie vorkommt. Ein seltenes Merkmal bedeutet üblicherweise, dass das Allel, d.h. die Variante des Gens, die für helle Augen sorgt, rezessiv ist. Säugetiere haben von jedem Gen zwei Kopien, eine von Mutter und eine vom Vater, d.h. sie haben zwei Allele, zwei Genvarianten. Wenn eines davon rezessiv ist, wird es nicht verwendet, sondern die andere Kopie. In der Praxis bedeutet das, dass ein Welpe von einem Hundepapa mit hellen Augen und einer Hundemama mit dunklen Augen ebenfalls dunkle Augen hätte. Um so sicher wie möglich zu gehen, dass helle Augen rauskommen, müsste man zwei Elternteile mit hellen Augen haben, und die findet man am ehesten im selben Wurf.

Inzest ist deshalb problematisch, weil das Erbgut sich zu ähnlich ist, und die beiden Allele der verschiedenen Gene damit auch. Effektiv heißt das, dass, wenn ein Allel defekt ist, es bei zu eng verwandten Eltern dazu führt, dass beide Allele defekt sind. Bei gemischten Eltern kann das defekte Allel durch ein richtiges ausgeglichen werden, hier nicht. Deshalb führt Inzest sehr häufig zu Behinderungen.

Alles in allem finde ich Züchtung äußerst problematisch und würde mir nie einen reinrassigen Hund kaufen, bin aber etwas verwundert darüber, dass Züchtung in der breiten Öffentlichkeit so auf Akzeptanz stößt. Der Hauptgrund dafür ist wohl, dass es schon immer gemacht wurde, und dass es scheinbar keine magischen Schritte involviert. Dass genauso das Erbgut gezielt verändert wird wie bei Gentechnik ist vielen gar nicht bewusst.

Ich möchte mit diesem Beitrag niemanden überzeugen, pro Gentechnik zu sein. Es gibt immer noch Gründe, es nicht zu befürworten, zum Beispiel die Gefahr, dass die Wildformen der Pflanzen aussterben. Aber wer gegen grüne Gentechnik ist, sollte sich darüber im Klaren sein, dass auch die herkömmliche Tomate, der herkömmliche Brokkoli und allen voran der ganz gewöhnliche Mais genetisch vom Menschen verändert wurden. Er sollte sich auch nicht unbedingt eine Vase mit gelb-rot-gefleckten Tulpen auf den Küchentisch stellen und dann über die ach so böse Gentechnik wettern. Am besten sollte er sich erst einmal darüber informieren, wie das eigentlich alles funktioniert.

Hurra, Onlinedating!

Ich kann mich noch gut an ein Gespräch erinnern, das ich vor zwei Jahren mit meiner Oma hatte. Völlig entsetzt erzählte sie mir von den neuen kaum zu fassenden Ereignissen um ihre geschiedene, alleinerziehende Nachbarin. „Die hat jetzt einen neuen Freund – den hat die im Internet kennengelernt! Der Heinz hat das gesagt, da ist die drin, mit Bild und allem!“ Sie war sehr entrüstet. Meine Großeltern leben in einem Dorf, das nicht einmal 700 Einwohner fasst, da ist das Konzept des Onlinedatings noch nicht so ganz akzeptiert.

Zu dem Zeitpunkt musste ich etwas herumdrucksen, als sie das Thema aufbrachte, war ich doch wenige Monate vorher selbst noch auf einer Online-Dating-Plattform angemeldet gewesen. Mit Bild! Zuerst, nur zum Spaß, auf einer kostenlosen Seite, später dann einen Testmonat bei einer kostenpflichtigen. Ich kann mich gar nicht mehr erinnern, welche Anbieter es waren, aber ich kann mich noch sehr gut an meine Eindrücke erinnern… die wohl überall relativ ähnlich sein werden. Außer vielleicht auf elitepartner, da geht es sicher gehobener zu…

Ich meldete mich an, füllte alle Fragen aus, und wartete, was so passieren würde. Genau gar nichts, ich hatte nämlich kein Foto eingestellt. Erkenntnis Nummer 1: Auch wenn man denkt, wer im Internet nach Partnern sucht, lege mehr Wert auf Persönlichkeit, es ist auch dort nur eine Fleischbeschauung. Mit dem kleinen Unterschied, dass man sich die vorteilhaftesten Fotos von sich selbst aussuchen kann und dann beim Date auch vom anderen etwas überrascht wird. Mir war das irgendwann zu langweilig und ich lud ein Foto hoch. Ich hatte zugegebenermaßen etwas Panik, dass mich jemand finden könnte, den ich kenne, das ist allerdings nicht passiert – zumindest nicht, dass ich wüsste. Meine Oma hat nicht bei mir angerufen. Ich kann mich nicht mehr erinnern, welches Foto es war, aber es war kein besonderes, mir war die ganze Sache schließlich auch nicht besonders wichtig.

Aber kaum hatte ich es hochgeladen, ging es los – eine Nachricht nach der anderen trudelte ein. Man konnte auf dieser Seite eine Alterszielgruppe des anderen Geschlechts angeben, doch das hinderte Männer, die außerhalb dieser lagen, nicht daran, mir zu schreiben. Erkenntnis Nummer 2: Es gibt sehr viele ältere Männer, die sehr viel jüngeren Frauen auf solchen Seiten teilweise sehr obszöne Nachrichten schreiben. Es gibt sogar auch jüngere Männer, die einen um Entjungferung bitten. Es muss wohl funktionieren, sonst würden sie es ja lassen.

Die Nachrichten an sich waren ganz unterhaltsam. Ich gab auf, auf alle zu antworten, weil selbst Absagen oft als Ermutigung empfunden wurden – es ist wohl einfach nicht üblich, abzusagen. Manchmal bekam ich nach einer Woche die gleiche Nachricht vom gleichen Absender nochmal und fühlte mich besonders besonders. Ich gab mir immerhin die Mühe, jedem eine persönliche Nachricht zu schreiben, wenn ich es denn tat. Erkenntnis Nummer 3: Für viele sind Dating-Seiten Copy+Paste-Arbeit. Ich pickte mir einige aus und antwortete, und oft entspann sich auch ein nettes Gespräch.

Getroffen habe ich mich nur mit zweien. Beide hatten einen netten Eindruck gemacht und kamen aus der Nähe, also dachte ich mir, warum nicht. Dabei habe ich dann Erkenntnis Nummer 3 gemacht: Online-Dating ist nichts für mich. Auch wenn man sich online nett „unterhält“, ist das keine Garantie auf irgendeine Form von Chemie. Wie die andere Person aussieht weiß man nicht wirklich, auch wenn man noch so viele Fotos gesehen hat – es gibt echt viele Menschen, die auf jedem Bild anders und auf keinem so aussehen wie in der Realität. Ich habe dann entschieden, das mit dem Online-Dating zu lassen. Bereut habe ich es bis heute nie. Es gibt immer Wege, Menschen auch im echten Leben kennenzulernen. Und auch wenn ich einige meiner besten Freunde online kennengelernt habe, ist es doch immer was anderes, wenn es um Dates geht.

Am besten im Gedächtnis geblieben aus diesem kleinen Experiment ist mir wohl ein recht aufdringliches Mitglied, das mir trotz ausbleibender Antwort immer neue Nachrichten schrieb und mich überzeugen wollte, dass aus uns was werden könnte. Er meinte, der kleine Altersunterschied würde ihn auch echt nicht stören. Es waren ja auch nur knapp 50 Jahre…

Sport ist Mord oder Wie ich lernte, das Training zu lieben

Wer abnehmen will, wer fit und gesund bleiben will, wer im Alter nicht gebrechlich sein möchte, für den führt kein Weg an Sport und Bewegung vorbei. Gerade heute, wo die meisten Menschen ihres Berufs wegen den ganzen Tag in bequemen Schreibtischstühlen versumpfen, um dann abends entkräftet auf der Couch zu versacken, ist der Ausgleich durch Sport besonders wichtig, und der innere Schweinehund groß wie nie.

Dass man sich bewegen müsste, das weiß man. Jedes Mal, wenn man von einem Jogger überholt wird, denkt man daran, dass man sich eigentlich auch mehr bewegen müsste. Wenn der Jogger einen nachts um 9 im Schneeregen an einer vielbefahrenen Straße überholt bekommt man wahrscheinlich sogar gleich ein schlechtes Gewissen, weil er alle beliebten Ausreden zunichte macht. Keine Zeit, schlechtes Wetter, kein passender Ort.

Die Frage, warum man sich oft so schwer zum Sport aufraffen kann, ist einfach zu beantworten: es ist anstrengend. Es liegt nicht in der Natur des Menschen, freiwillig etwas anstrengendes zu tun, wenn es keine direkte Belohnung oder einen vernünftigen Grund dafür gibt. Jeder noch so unsportliche Mensch würde wohl rennen wie der Teufel, würde er von einem Tiger verfolgt. Ich glaube, dass auch der Schulsport einen sehr großen Teil dazu beiträgt, dass viele Menschen schon beim Gedanken an Sport schlechte Laune kriegen. Mir selbst ging es jahrelang genauso.

Beim Schulsport geht vieles schief. Ich finde es gut, dass Kinder sich in der Schule auch mal bewegen müssen. Ich finde es aber nicht richtig, dass alle noch so erdenklichen Sportarten für alle Pflicht sind, und dass die körperliche Leistung bewertet wird. Genauso finde ich es falsch, Noten im Musik- oder Kunstunterricht auf kreative Leistungen zu geben, aber dazu ein andermal. Ein unsportliches Kind, wie ich es war, wird durch ständig schlechte Noten mehr und mehr entmutigt. Der Spaß am Sport wurde mir in der Schule gründlich verdorben, als ich Jahr für Jahr miterleben musste, dass all meine Bemühungen nur mit schlechten Noten bestraft wurden.

Meiner Meinung nach ist es auch ausgesprochen sinnlos, alle Sportarten zu bewerten, wo man sogar später im Theorieunterricht lernt, dass ein guter Sprinter kein guter Marathonläufer sein kann, weil die Ausbildung von Short Twitch Fasern in der Beinmuskulatur mit der Abnahme von Long Twitch Fasern einhergeht. Erstere braucht man beim Sprint, letztere bei Langstreckenläufen. Da gibt es Kinder, die sind gut im Kugelstoßen und hängen wie ein nasser Sack am Reck, dann gibt es die, die in Gymnastik glänzen, aber panische Angst vor Bällen haben. Dass ein Kind in allem gleich gut ist, ist so gut wie unmöglich. Dafür ist der Sportunterricht viel zu vielseitig, benotet wird aber alles. Ich will gar nicht erst davon anfangen, dass die Notenskala auch noch vom exakten Geburtstag abhängig ist, und jemand, der am 1.1. geboren ist, oft eine ganze Note schlechter auf die gleiche Leistung bekommt wie jemand, der ein paar Tage jünger ist…

Die Quintessenz also: ich glaube, dass viele Schüler im Schulsport gelernt haben, Sport zu hassen. Ich gehöre definitiv dazu. Mittlerweile ist es über sieben Jahre her, dass mich das letzte Mal jemand zum Sport gezwungen hat. Mittlerweile habe ich großen Gefallen daran gefunden, etwas, das auch nicht automatisch kommt. Viele Menschen wollen gern mehr Sport machen, können sich aber nicht aufraffen. Viele denken insgeheim, dass sie sich mehr bewegen sollten, tragen aber nach außen eine „ach, ich hab echt keine Zeit“-Haltung. Ich hoffe, dass ich diesen Menschen mit meiner Geschichte erklären kann, wie sie vielleicht doch etwas Spaß daran finden können.

Ich bin immer noch kein Sportfanatiker. Ich mache auch nicht regelmäßig Sport, ich fahre nicht jeden Tag ins Fitnessstudio oder gehe jeden Samstag Schwimmen. Ich mache unregelmäßig Sport, und immer das, worauf ich gerade am meisten Lust habe. Das ist so ca. 3 Mal die Woche, in manchen Wochen auch nur ein Mal, in manchen fünf Mal, am Ende gleicht es sich aus. Laut meiner Tracking-App habe ich dieses Jahr bereits 96 Stunden, 16 Minuten und 5 Sekunden Sport gemacht und dabei exakt 200km zurückgelegt. Da ich nur selten Laufen gehe ist das wohl sogar eine ziemlich hohe Zahl, aber dazu gleich mehr. 104 Aktivitäten sind es insgesamt.

Die Geschichte, wie ich vom Sportmuffel zu jemandem geworden bin, der im Schnitt alle 2.5 Tage eine knappe Stunde Sport macht, ist unkompliziert. Der erste Schritt ist der Wichtigste: Motivation aufbauen. Das ist für die meisten wohl das Hauptproblem. Praktischerweise muss man nur erstmal eine geringe Motivation zusammenkratzen, um überhaupt anzufangen, mit dem unten beschriebenen Rest steigt sie dann automatisch. Woher also kriegt man sie, diese Anfangsmotivation? Ich kann keine generellen Tipps geben, ich kann nur sagen, was bei mir geholfen hat. Klare Ziele setzen. Nicht Gewichtsziele, denn mit Sport kann man durchaus erstmal zunehmen. Aber es hilft, sich genau zu sagen, was man an sich verbessern will. Am Körper, an den Gewohnheiten. Pinterest. Mich motiviert es enorm, auf Pinterest unter den Fitnessboards zu browsen und Fotos von fitten Menschen, Trainingsroutinen und Zitate zu sehen. „It doesn’t matter how slow you are going, you still beat everyone on the couch“

Ist die Entscheidung gefallen, dass man mehr Sport machen will, dann kommt der zweite Schritt: die Sportart zu finden, die das richtige für einen ist. Das ist die Sportart, an der man Spaß hat, und keine andere. Ich habe viel ausprobiert. Ich liebe Schwimmen. Ich war lange jede Woche eine Stunde Schwimmen, und am Ende waren meine Haare spröde und ich konnte mich nicht mehr aufraffen, weil es auf Dauer einfach so langweilig war. Ich mache gerne Übungen zum Muskelaufbau, aber Fitnessstudio ist mir zu teuer, zu voll und zu unpraktisch. Kickboxen hat mich schon immer fasziniert, aber ich habe in meiner Woche wenig Platz für regelmäßiges Training außer Haus.

Momentan mache ich deshalb von allem ein bisschen. Ich mache fast mein gesamtes Training zu Hause. Für Cardio-Training habe ich eine dieser peinlichen DVDs, bei denen einen ein schwitzender Schwarzer ganz nah vor der Kamera überzeugen will, dass man noch 2 Sets schafft. Billy Blanks heißt er, und seine Tae Bo DVDs sind anstrengend, aber problemlos in den Alltag zu integrieren. Kann ich nur empfehlen, man muss es ja nicht in der Öffentlichkeit zugeben… Wenn das Wetter passt und ich Lust habe, gehe ich Laufen. Dass ich das freiwillig mache hätte ich vor 8 Jahren nie geglaubt. Ich mache es immer noch nicht wahnsinnig gern, aber die Endorphine sorgen schon dafür, dass man sich danach sehr gut fühlt. Dazu zwingen würde ich mich aber nie.

Ein weiterer Ausdauersport, der mir sehr lieb geworden ist, ist Wandern in den Bergen. Das bietet sich in München natürlich an, die Alpen sind nah, die Berge sind hoch, bei so einer Sonntagswanderung ist man gut und gerne 6 Stunden unterwegs und legt oft 1000 Höhenmeter zurück. Mein Maximum waren einmal knapp 3000 Höhenmeter in zwei Tagen. Danach war ich total alle, aber glücklich. Denn Wandern verbindet Anstrengung mit Natur, Freunden, verdammt gutem Essen (Kaiserschmarrn, den man sich wahrlich verdient hat!) und einer atemberaubenden Aussicht. Dazu kommt das gute Gefühl, aus eigener Kraft einen ganzen Berg bezwungen zu haben.

Krafttraining mache ich auch. Auch hier helfen mir die Tae Bo DVDs, ansonsten kann ich die App von Nike „Nike Training Club“ empfehlen. Dort kann man aus verschiedenen 30- oder 45-Minuten-Programmen auswählen, die auch alle mit Videoanleitungen versehen sind. Auch gut finde ich das mittlerweile berühmte 7-Minuten-Workout, das sich aber bei sinnvoller 3-maliger Wiederholung und Dehnen auch auf 30 Minuten ausdehnt. Das ist für mich die ideale Workout-Länge, die man mal eben am Abend einschieben kann ohne wirklich viel Freizeit zu verlieren.

Etwas, das ich letztes Jahr das erste Mal gemacht habe ist Bouldern, also Klettern mit sicherer Absprunghöhe. Ein super Training für den ganzen Körper, und es macht wahnsinnig Spaß. Ich würde sagen, für mich eine der besten Sportarten, aber auf Dauer würde es auch langweilig werden; bei mir macht es eindeutig der Mix. Zwischendurch schiebe ich auch mal eine Runde Yoga ein, um die Sehnen nicht zu vernachlässigen und ein bisschen zu entspannen.

Dass ich die Auswahl habe, hilft mir, mich zu motivieren. Wenn ich keine Lust auf etwas anstrengendes habe, mache ich wenigstens Yoga. Wenn ich richtig Lust habe, mache ich ein Programm einer Stunde. Wenn ich wenig Platz habe und kein Zubehör, dann mache ich das 7-Minuten-Workout. Trotzdem kommt es natürlich vor, dass ich keine Lust habe. Mittlerweile habe ich mir ein erstaunliches Pflichtgefühl aufgebaut, so dass ich ein schlechtes Gewissen bekomme, wenn ich zwei Tage nacheinander keinen Sport gemacht habe. Das hilft und kommt automatisch mit einer gewissen Regelmäßigkeit. Ansonsten hilft mir immer noch Pinterest, und die Aufzeichnung meiner Statistiken mit runtastic. Ich bin ein Zahlenmensch, Zahlen spornen mich an. Wenn ich weiß, dass ich beim letzten Mal Laufen schneller war als je zuvor, dann habe ich viel mehr Lust, bald wieder Laufen zu gehen. Vielleicht geht es euch ja auch so? Einfach mal ausprobieren 🙂

Die Höhen und Tiefen eines Leben als Doktorand

Wer in einem naturwissenschaftlichen Bereich arbeiten möchte, bekommt in den meisten Fällen während des Studiums mehr als nur einmal nahegelegt, eine Promotion zu machen. Promotion, das heißt nicht etwa, dass man noch eine Ausbildung zur Werbedesignerin dranhängt, wie eine Versicherungsbeauftrage mal vermutete. Nein, es bedeutet, seinen Doktortitel zu erwerben. Nein Oma, ich studiere jetzt nicht noch Medizin, einen Doktor kann man auch in anderen Fächern… auf dem Land und in anderen Bildungskreisen, ist das Konzept oft erst einmal etwas fremd. Und damit kommen wir gleich zum ersten Tief…

Wie lange dauert das jetzt noch?

Es ist völlig egal, wie lange man schon dabei ist, von Verwandten, Bekannten und Freunden, die außer einem selbst niemanden kennen, der promoviert (hat), hört man diese Frage in regelmäßigen Abständen. Dabei ist es mit fortschreitender Zeit mehr und mehr ein Thema, auf das man nicht angesprochen werden will. Eine Promotion in einem naturwissenschaftlichen Bereich dauert zwischen 3 und 6 Jahren, wenn alles gut läuft. Es dauert nicht so lange, weil man trödelt, nichts leistet oder einfach nur faul ist, sondern es dauert deshalb so lange, weil einem ein Doktortitel nicht geschenkt wird und auch nicht geschenkt werden sollte. In dieser Zeit verbringt man nur 6 Monate bis 1 Jahr damit, tatsächlich an der Arbeit zu schreiben, denn davor muss man erst einmal etwas erarbeiten, über das sich zu schreiben lohnt. Das ist vielen nicht klar, vor allem nicht, wenn sie Doktorarbeiten der Mediziner zum Vergleich heranziehen, die oft in wenigen Monaten fertig gestellt werden. Das liegt größtenteils daran, dass in der Medizin ein Doktortitel zum guten Ton gehört und es ihnen entsprechend leicht gemacht wird. Warum das in der Chemie, wo ebenfalls fast jeder promoviert, nicht auch so ist, weiß ich nicht, aber ich finde es gut.

Die Frage, wie lange es noch dauert, ist also in etwa genauso angebracht und höflich wie die Frage nach Ende eines befristeten Arbeitsverhältnisses. Eine Promotion ist eine Leistung, und ihre Qualität lässt sich nicht in Zeit messen. Man weiß oft selbst bei Beginn nicht, wie lange man brauchen wird, und oft genug findet man noch neue spannende Dinge, die man auch noch untersuchen möchte.

Die Freiheit der Forschung

Im Lauf einer Promotion lernt man, eigenständig und selbstorganisiert zu forschen. Man erhält ein Thema oder wählt selbst eines, und in den meisten Fällen muss/darf man dann selbst entscheiden, wie man dieses Thema angeht. Wenn man unterwegs etwas Spannendes findet, das man gerne untersuchen möchten, so wird einem das keiner verbieten. Das ist sehr entspannt und definitiv einer der großen Vorteile. Wenn man Spaß am freien Forschen hat, ist eine Promotion wahrscheinlich das richtige für Einen.

Der Ergebnisdruck

Freie Forschung hat einen großen Nachteil: der eigene Erfolg wird gemessen an den Ergebnissen der Arbeit. Wenn man mit einem naturwissenschaftlichen Projekt beginnt, weiß man noch lange nicht, was dabei herauskommen könnte. Sagen wir, man möchte untersuchen, ob es einen Zusammenhang zwischen A und B gibt, weil das eine interessante Fragestellung ist. Man investiert Zeit, Arbeit und Nerven, um am Ende herauszufinden: Nein. Was fängt man damit an? Ein negatives Ergebnis ist kein wertvolles Ergebnis. Die Qualität einer Promotion wird in ihren Veröffentlichungen gemessen. In der Anzahl der Paper und der Qualität der Journal, bei denen man sie publizieren konnte. Ein negatives Ergebnis wird man nicht oder nur sehr schwer publizieren können. Die Arbeit war damit quasi umsonst. Dieser Druck ist hart, und zieht oft Promotionen unnötig in die Länge.

Flexibilität

Ein Vorteil, um den meine Freunde mich ständig beneiden, ist die Flexibilität. Dieser besondere Vorteil trifft allerdings nicht auf alle Doktoranden zu – ich erhalte ein Stipendium der Universität, um völlig frei meiner Forschung nachgehen zu können, und bin damit keine Angestellte und nicht an die üblichen Vertragsklauseln gebunden. Übersetzt heißt das, dass es mir selbst überlassen ist, wie viel ich arbeite. Das klingt toll, und meine Schwester hat mich, nachdem ich ihr das erklärt habe, gefragt, warum ich überhaupt arbeite. Das ist natürlich die andere Seite. Es stört erstmal keinen, wenn ich nicht arbeite, aber das liegt daran, dass ich außer mir selbst keinem schade. Deshalb tue ich es natürlich nicht. Aber ich habe eine flexible Arbeitseinteilung, kann montags mal länger ausschlafen, wenn ich nicht aus dem Bett komme, und einfach mal spontan einen Tag frei machen, wenn das Wetter gerade schön ist. „Ich will auch mal einfach einen Tag freinehmen können!“, höre ich dann oft von angestellten Freunden. Ich hätte im Gegenzug dazu gerne mal ernstzunehmenden Urlaub, denn auch zusammengezählt sind viele einzelne Tage am See im Jahr nicht so entspannend wie eine Woche Malediven. Aber noch ist es ein Vorteil, den ich durchaus zu schätzen weiß.

Geringe Bezahlung…

Direkt zusammen mit dem Vorteil der Flexibilität hängt der Nachteil der geringen Bezahlung. Stipendien sind da oft ganz vorne an der Front, mit oft nur 1000€ monatlichem Gehalt, die zwar nicht versteuert werden müssen, von denen die Krankenkassen aber bitteschön gerne noch 15% hätten, denn man ist ja quasi selbstständig. Aber angestellten Doktoranden geht es oft nicht viel besser, in der Biologie z.B. erhält man 60% einer „vollen Stelle“ nach TVÖD 13. Die 100% gibt es nur für begehrte Bereiche wie Informatik, und Gerüchten zufolge gibt es für Ingenieure sogar 150%. Diese unfaire Behandlung der Fächer ist begründet in Angebot an willigen Doktoranden, das in technischen Bereichen einfach niedriger ist. Okay ist es trotzdem nicht. Immerhin landet man nach x Jahren Promotion mit einer 60%-Stelle nicht in Hartz IV – im Gegensatz zu einem Stipendium zahlt man ja in dieser Zeit Sozialversicherung. Hält man sich vor Augen, was man mit dem selben Studienabschluss in der freien Wirtschaft verdient, möchte man manchmal nur noch weinen – aber da muss man durch.

Free stuff!

Zum Glück gibt es zum Ausgleich free food, free stuff und free travel. Promotionsprogramme sind oft mit Graduiertenschulen kombiniert, wo man zu vielen Events eingeladen wird, während denen man gut durchgefüttert wird. Oft sind diese Events auch mit etwas Arbeit verbunden, wie z.B. interne Retreats, bei denen man sein Projekt vorstellen muss – aber hey, kostenlose Schokonikoläuse! Unter free stuff fallen in erster Linie kostenlos angebotene Soft Skill Seminare zu allen erdenklichen Themen, die einem auch für die Karriere später weiterhelfen. Free Travel ist wohl der größte Kostenpunkt – Reisen zu Konferenzen, Auslandsaufenthalte, Summer schools, werden von der Universität getragen. Dabei kommt man ganz schön rum und lernt viele nette Leute kennen. Ein Punkt, den ich definitiv nicht missen möchte!

Schlechte Betreuung

Auf diesen Punkt könnte ich allerdings gut verzichten, und es scheint ihn in so gut wie jeder Promotion zu geben. Die meist einzige Bezugsperson während der Doktorarbeit ist der Doktorvater oder die Doktormutter, die dafür sorgen sollen, dass man auf der richtigen Linie bleibt, dass man in einem gewissen Zeitrahmen fertig wird, die Hilfestellungen geben sollen, wenn man nicht weiterkommt, und in regem Kontakt mit dem Schützling bleiben sollen. Bei fast allen Betreuungsverhältnissen, von denen ich bisher erfahren habe, mangelt es an mindestens einem Punkt. Da gibt es alles von Betreuern, die verletzend sind über solche, die sich nicht für ihre Doktoranden interessieren bis zu denen, die ihnen verbieten, abzugeben, solange sie nicht noch x weitere Paper publiziert haben. Und dann gibt es die, die das alles auf einmal machen. Hat man so einen schweren Fall, muss man lernen, sich davon zu distanzieren und den Wert der Arbeit nicht zu berechnen über die Wertschätzung des Betreuers. Wird es besonders schlimm, muss man sich Hilfe von außen, z.B. dem Dekan suchen, oft aber reicht schon ein befreiendes Gespräch mit Kollegen, denen es oft genauso geht. Und am Ende kommen die meisten doch irgendwie durch.

Lebenskrisen?

Oft verursacht durch die schlechte Betreuung stürzt die Promotion den einen oder anderen in eine mittlere bis tiefe Lebenskrise. Die Ergebnisse passen nichts, die Arbeit scheint nichts wert, man kommt menschlich wie professionell nicht mit dem Betreuer klar und auch nach Jahren anstrengender Arbeit ist kein Ende in Sicht… das bringt viele zum Verzweifeln. Auch hier gilt: Hilfe suchen ist absolut nötig. Und wenn es nur die Unterstützung von Freunden und Familien ist. Das ist ein Loch, in dem man ziemlich versumpfen kann, und dann stehen die Sterne für ein baldiges Abschließen noch schlechter als zuvor.

Sprungbrett

Warum macht man das alles also? Es gibt doch viele sehr negative Punkte auf dieser Liste. Der größte Vorteil ist wohl der erste – Frei forschen können sich wenige Berufstätige leisten. Vergleichbar ist natürlich der Vorteil der Promotion als Karrieresprungbrett. In vielen Bereichen ist eine Promotion unabdingbar, in den meisten anderen zumindest nützlich. Die Karriereleiter sieht für promovierte Wissenschaftler oft etwas steiler aus als für Masterabsolventen, und beginnt weiter oben. Angeblich soll es sich auch finanziell irgendwann lohnen… aber das glaube ich erst, wenn es soweit ist 😉

Abraten würde ich niemandem von einer Promotion. Ich würde es wieder machen. Ich würde mich sehr genau über den von mir ausgewählten Betreuer informieren, und diese Wahl sogar noch über die Wahl des Themas stellen. Denn von den meisten Professoren hat man kein oder ein völlig falsches Bild, bevor man mit der Promotion bei ihnen beginnt. Deshalb sollte man immer die jetzigen Doktoranden nach ihrer ehrlichen Meinung fragen. Ansonsten sollte man die Flexibilität und Freiheit genießen, die man in dieser Zeit noch hat. Es kann durchaus schön sein. 🙂

Über Wunderdiäten und sinnvolles Abnehmen

10 Kilo in 2 Wochen! Solche und aehnliche Schlagzeilen versprechen Brigitte, Lisa, Laura und co (warum tragen Frauenzeitschriften eigentlich so haeufig Frauennamen?). Und damit treffen sie genau den Nerv der Zeit. Schlank wollen wir sein, schlank SOLLEN wir sein, Zeit haben wir keine, und viel Energie investieren ins Erreichen dieses Ziels wollen wir auch nicht. Scheinbar. Denn jede Woche findet man auf unzaehligen Zeitschriften solche Wunderdiaeten, und hier bestimmt die Nachfrage das Angebot.

Dass dahinter meist wenig steckt, das muesste eigentlich jedem klar sein. Wie sollte es moeglich sein, in zwei Wochen ganze zehn Kilo zu verlieren, ohne Sport zu treiben oder sich beim Essen einzuschraenken? Vor einer Weile las ich von einer Diaet, die das bezwecken wollte, indem man ausschliesslich warmes Essen zu sich nahm. Die Begruendung lautete, dass der Koerper kaltes Essen erst erwaermen muesste, dabei wuerde er unnoetige Energie verbrauchen. Wuerde man nur noch warm essen, so wuerde man auf Dauer beim Essen mehr verbrennen und Gewicht verlieren. Und dann standen da Rezepte fuer Pfannkuchen zum Fruehstueck, ausgiebige Mittagsessen, saettigende Abendmahlzeiten.

Und ich frage mich, sitzt da irgendwo ein Ernaehrungswissenschaftler und glaubt das, was er da schreibt? Oder hat vielmehr eine Redakteurin irgendwo mal einen Satz aufgeschnappt und sich daraus ihre eigene Weisheit gebastelt? Ich bin keine Ernaehrungswissenschaftlerin. Allerdings hatte ich eine sehr detaillierte Vorlesung ueber den menschlichen Stoffwechsel und wage mal zu behaupten, dass sich mein Wissen ueber das des Laien stellt. Fakt ist: ja, der Koerper muss kaltes Essen auf Koerpertemperatur erwaermen, bevor er es weiterverarbeiten kann. Ja, dafuer verbraucht er Energie. Worin misst man Energie? In Kilo-Joule. Altertuemlicherweise auch gerne mal in Kilo-Kalorien. Klingelt da was?

Ich kann mich entsinnen, dass wir im Chemie-Unterricht mal eine simple Rechnung aufgestellt haben: Wie viel kcal verbraucht der Koerper, wenn er ein Glas kaltes Bier auf Koerpertemperatur erhitzt? Tatsaechlich war die Zahl niedriger als die kcal, die das Glas Bier mitbrachte. Mit anderen Worten: Beim Trinken wuerde der Koerper theoretisch Kalorien verbrauchen, statt sie aufzunehmen. Das ist natuerlich eine Milchmaedchenrechnung und stimmt so nicht, aber die Quintessenz ist die gleiche: Warmes Essen hat mehr “echte” Kalorien als kaltes.

Diese Diaet war natuerlich nur eine von vielen Unfug-Diaeten. Die meisten haben eines gemeinsam: in einem extrem kurzen Zeitraum verliert man viel Gewicht. Rechnen wir das doch mal nach. Zunaechst mal die kurze Erinnerung, dass Kalorien nichts schlechtes sind, denn das scheinen viele Menschen immer wieder zu vergessen. Wir BRAUCHEN Kalorien, um zu leben. Sie sind der Treibstoff unseres Koerpers. Im Schnitt braucht jeder Mensch an einem gewoehnlichen Tag 2000kcal (dieser Wert ist abhaengig von Groesse, Gewicht, Geschlecht und Bewegung und laesst sich mit einem der zahlreichen Rechner im Internet genauer bestimmen), fuer regulaere Taetigkeiten wie sitzen, gehen, stehen, Gehirnfunktionen, Kreislauffunktionen, etc. Diese Menge an Kalorien brauchen wir, mit weniger werden wir krank.

Quelle fuer diese Energiemenge ist im Normalfall das Essen, das wir ueber den Tag verteilt zu uns nehmen. Die 2000kcal sind der Richtwert, der auf Packungen angegeben ist, wenn in kleinen Tabellen steht, wie viel Prozent der empfohlenen Tagesdosis wir damit zu uns nehmen. Wie viel sind 2000kcal? Das sind knapp 4 Tafeln Schokolade. Weniger als 4 grosse Burger bei McDonalds. 20 Bananen. 40 Aepfel. Eine ausgiebige Mittagsmahlzeit hat ca. 400Kcal. Dazu vielleicht noch Salat und Nachtisch, kommt man auf 600kcal. Fruehstueck sollte immer ausgiebig und kohlenhydratreich sein, damit man genug Energie fuer den Tag hat. Alles in allem sind 2000kcal ziemlich genau das, was ein normalgewichtiger Mensch, der nicht auf sein Gewicht achten muss, im Laufe eines Tages zu sich nimmt. Genau so viel, wie der Koerper das braucht.

Wie funktioniert jetzt eine Diaet? Ganz einfach, man reduziert die Menge der aufgenommenen Kalorien. Aber warum wird man nicht krank, wenn der Koerper diese Menge doch braucht, um sich selbst instand zu halten? “Frische” Kohlenhydrate sind nicht die einzige Energiezufuhr, die wir zur Verfuegung haben. Eine weitere ist allseits bekannt: Fett. Fett ist nichts weiter als ein Langzeit-Energiespeicher, den der Koerper anlegt, wenn wir ihm mehr als den Tagesbedarf zugefuehrt haben. Genau diesen greift er wieder an, wenn er sonst nicht genug Energie bekommt.

Tatsaechlich kann man die Energiemenge sogar ziemlich genau umrechnen. Auch Muskeln speichern natuerlich Energie, und macht man die falschen Diaeten, so kann es durchaus vorkommen, dass Muskeln abgebaut werden statt Fett. Ein Kilogramm Muskelmasse entspricht dabei ca. 7000Kcal. Das ist eine hohe Zahl, selbst verglichen mit dem Tagesbedarf. Wie ist das nun mit Fett? Fett ist ein hochkondensierter Energiespeicher. Ein Kilogramm Fett enthaelt 9000 kcal.

Was hat das fuer praktische Konsequenzen? Es ist logisch: um ein Kilogramm Fett zu verlieren, muessen wir 9000kcal zusaetzlich verbrennen. Wir muessen 9000kcal beim Essen einsparen, oder 9000kcal mit Sport abarbeiten. Das waeren uebrigens 13 Stunden Radfahren bei voller Leistung. Aber Sport ist fuer Brigitte-Abonnentinnen scheinbar keine Option, also zurueck zur Diaet. Wuerden wir eine (nicht zu empfehlende) Radikaldiaet durchfuehren und unsere Tagesaufnahme auf die Haelfte reduzieren, braeuchten wir 9 Tage, um ein Kilogramm Fett zu verlieren. Und das ist nur die Theorie. Denn in der Praxis faehrt der Koerper in so einem Fall erstmal in den Ausnahmezustand, baut vermutlich Muskeln ab und faehrt den Stoffwechsel herunter, so dass der Tagesbedarf sinkt, wir ausserdem noch (geistig und koerperlich!) traeger werden. Und beendet man die Diaet, so kommt es zum Jojo-Effekt: Der Koerper baut jetzt, fuer die naechste Hungerphase, noch intensiver Fettpolster an, da der Stoffwechsel ja noch langsamer ist.

Selbst mit einer absolut ungesunden Radikaldiaet braucht man ohne Sport also 10 Tage, um ein Kilo abzunehmen. Wie funktionieren dann diese angeblichen Wunderdiaeten? Das Zauberwort heisst Wasser. Der Koerper besteht zu einem Grossteil aus Wasser, und gerade bei Uebergewichtigen Menschen gibt es oft viele Wassereinlagerungen. Viele Diaeten setzen deshalb auf Entschlackung statt auf Fettreduzierung. So verliert der Koerper in wenigen Tagen viel Wasser, und damit auch viel Gewicht. Echten Effekt hat das allerdings keinen.

Nicht alle Diaeten sind allerdings Humbug. Es gibt tatsaechlich auch Wunderdiaeten, die wirklich funktionieren, doch die haben ihren Preis. So zum Beispiel die Atkins-Diaet, bei der Kohlenhydrate komplett aus dem Nahrungsplan gestrichen werden. Der Koerper, der normalerweise seine Energie fast vollstaendig aus Kohlenhydraten gewinnt, stellt die Energiegewinnung komplett auf Fettverbrennung um. Man nimmt nur noch Fett und Proteine zu sich, im Grunde koennte man sich ausschliesslich von Fleisch ernaehren, und der Koerper gewinnt daraus alle Energie. Dadurch verliert man schnell viel Gewicht, aber der Preis ist hoch. Diese Diaet schaedigt das Herz und andere Organe. Tatsaechlich ist der Begruender bezeichnenderweise an einem Herzinfarkt gestorben.

Wie nimmt man also gesund ab? Die Antwort ist eindeutig: Langsam. Man braucht Geduld, denn alles, was schnell geht, ist ungesund oder gaukelt einem den Effekt nur vor. Will man dauerhaften Erfolg, muss man es langsam angehen lassen. Um eine Ernaehrungsumstellung wird man nicht herumkommen. Man sollte sich seinen Nahrungsplan aufschreiben, jeden Tag, komplett, jedes Gummibaerchen aufschreiben (und gegebenenfalls einer Freundin/einem Freund schicken, das staerkt das Durchhaltevermoegen), und mal analysieren. Wo stecken versteckte Kalorien? Wo kann ich einsparen? Nehme ich mehr zu mir, als ich brauche, oder ist es genau richtig? Versteckte Kalorien finden sich z.B. oft in Getraenken. Dafuer muss man nicht erst zu Cola und Co greifen, auch ein Glas Orangensaft hat schon ueber 100kcal. Und darauf zu verzichten faellt den meisten wohl am leichtesten.

Fakt ist, jeder hat andere Beduerfnisse, und jeder muss auf seinen eigenen Koerper hoeren. Mein Plan lautet, nur und viel Wasser trinken, morgens viele Kohlenhydrate, ausgiebiges (und spaetes) Mittagsessen, kohlenhydratfreies Abendessen. Wenn das Mittagessen spaet war, habe ich abends keinen Hunger und streiche das Abendessen. Schafft man das nicht, kann man abends Suppen, Salate und aehnliches zu sich nehmen. Wichtig ist auch, nicht zu spaet zu Abend zu essen und ausgiebig zu schlafen. Denn je laenger wir schlafen, desto leichter nehmen wir ab.

Den meisten wird das zu langsam gehen, denn es geht nur sehr, sehr langsam, weil man nur ein paar hundert Kalorien am Tag einsparen kann. Zum Glueck gibt es fuer diejenigen einen Ausweg: Sport. Nur mit Sport ist eine richtige Diaet sinnvoll und gesund. Und damit purzeln auch die Kilos leichter.

Dating-Regeln oder „Warum macht man sich selbst das Leben schwer?“

Seit Hollywood sich still und leise unbemerkt in unser Leben eingeschlichen hat, wissen wir Frauen es alle: Wenn ein Mann sich nicht innerhalb von zwei, maximal drei Tagen nach einem Date meldet, dann hat er kein Interesse! Auf keinen Fall darf man sich als Frau selbst melden, damit macht man sich zu verfuegbar und gibt freiwillig die uns Frauen zu Beginn der Datingphase innewohnende Macht-Position auf, die sonst erst mit dem Sex faellt. Und deshalb sitzen immer wieder Frauen vor Telefonen, schauen alle fuenf Minuten auf ihr Handy, obwohl es ja eigentlich vibrieren wuerde, wenn eine SMS kaeme, und rufen drei Mal so haeufig wie sonst ihre Emails ab.

Diese Regeln sind nicht neu, es gibt sie schon lange. Wer einmal eine alte Folge Sex and the City gesehen hat, weiss das. Also muessen sie sich ja auch bewaehrt haben! Und es steckt ja auch was Wahres darin. Wenn man sich sofort nach dem Date meldet, weiss der andere ja gleich, dass Interesse besteht, und muss sich daraufhin weniger anstrengen, einen weniger „umwerben“.  Und wenn er sich nach zwei Tagen immer noch nicht gemeldet hat, dann fand er das Date wohl doof.

Seit Hollywood sich still und leise unbemerkt in unser Leben eingeschlichen hat, wissen die Maenner es alle: Nach einem Date sollte man mindestens drei Tage warten, bis man sich meldet, sonst signalisiert man ein langweiliges Leben und der Frau, dass sie schon gewonnen und ihn quasi in der Tasche hat.

Moment. Irgendwas passt da nicht. Ich frage mich immer, wer denkt sich diese ganzen Regeln eigentlich aus? Wer begruendet sie? Vielleicht bin ich eine Ausnahme, aber ich empfinde es nicht als etwas Schlimmes, wenn ein Mann weiss, dass ich Interesse an ihm habe, im Gegenteil. Wuerde ein Mann mich ewig lang im Dunkeln lassen ueber seine Absichten, dann haette das bei mir auch eher den gegenteiligen Effekt als gehaltenes Interesse: zunaechst Frust („Was denkt der sich eigentlich? Will er nun was oder nicht? Das nervt!“), dann Unlust („Langsam hab ich echt keinen Nerv mehr fuer diese albernen Spielchen…“) und schliesslich vergeht das Interesse voellig. Und ich kann mir nicht vorstellen, dass ich da die einzige bin.

Amerika, insbesondere New York, ist die Geburtsstaette dieser laecherlichen Datingregeln, und die Leute dort machen sich scheinbar gern das Leben schwer. Was spricht dagegen, jemandem zu sagen, dass man ihn mag, statt tage- und wochenlang mit Meldefristen zu verschwenden? Ich bin grosser Fan von Ehrlichkeit und habe mich diesbezueglich noch nie zurueckgehalten. Und ueberraschenderweise habe ich damit nicht alle Maenner vergrault, mit denen ich aus war.  Ich habe mich sicher schon „zu oft“ gemeldet, war „zu verfuegbar“ und „nicht mysterioes genug“. Hat es mir irgendwie geschadet? Nein. Aber Zeit gewonnen habe ich dadurch. Zeit, die ich eben nicht unnoetig vorm Telefon verbrachte, denn wir wissen alle, the waiting place is a most useless place. Die Maenner haben naemlich mitgespielt.

Ich beobachte an meinem besten Freund, dass er mittlerweile hinter jeder Aktion oder fehlenden Aktion einer Frau irgendein Spielchen oder eine Regel vermutet. Er nimmt eine SMS nie einfach so hin, wie sie klingt, er interpretiert Metainformationen hinein, die in den meisten Faellen negativ ausfallen. „Was soll das denn schon wieder? Das heisst doch eindeutig, dass sie kein Interesse an mir hat! Ich hake die jetzt ab!“ „Warum hat SIE sich dann gemeldet, wenn sie kein Interesse hat?“ „Das ist das einzige, was nicht dazupasst.“

Wie waere es, wenn man einfach mal ohne Hintergedanken an eine Sache rangeht? Wenn man die ganzen Regeln vergisst und sich so verhaelt, wie man das gerne moechte? Es ist ja nicht nur die Regel mit der Meldefrist. Als Frau sollte man z.B. immer ein klein wenig zu spaet kommen.  Warum? Ich finde das grob unhoeflich. Ich bin immer zu frueh. Als Mann sollte man keinesfalls Komplimente machen, und wenn, dann nur sparsam. Frauen duerfen nicht zu viel Aufmerksamkeit bekommen, sonst verlieren sie das Interesse.  Frauen bekommen ohnehin staendig Komplimente, da muss man sie von ihrem hohen Ross herunterholen. Das ist der groesste Bloedsinn, den ich je gehoert habe. Ich kenne genau eine Frau, die dermassen ueberzeugt von sich ist, dass sie ueberhaupt auf einem Ross sitzt. Und wenn man der keine Komplimente macht ist man schnell Geschichte, denn die anderen machen es. Bei allen anderen bewirkt ein Kompliment in erster Linie eines: Freude. Aber Freude, Ehrlichkeit und Zuneigung ist ja beim Dating scheinbar nicht angebracht.

Ich hoffe sehr, dass es hierzulande nicht allzu viele Menschen gibt, die diese Regeln ernstnehmen. Man sollte sich ueberhaupt nicht von aussen sagen lassen, wie man sich zu verhalten hat, sondern immer so agieren, wie man das moechte und es fuer richtig haelt. Dann sterben diese albernen Richtlinien vielleicht irgendwann wieder aus. Bis dahin koennen wir nur traeumen und hoffen, nicht an jemanden zu geraten, der die Regeln befolgt.

Studieren – Freud und Leid

Was ist der größte Unterschied zwischen Schule und Studium? Ganz klar – die Eigenverantwortlichkeit und die Tatsache, dass man nicht mehr ganz so viel lernen muss, was einen Null interessiert. Das macht es leichter und schwerer zugleich. Während man natürlich für etwas, für das man Interesse aufbringen kann, viel schneller und leichter lernt, so ist man jetzt ganz alleine darauf angewiesen, Druck zu machen. Die Eltern sind zumeist weit weg, es gibt keine Lehrer, die ein Auge auf die Leistungen der Schüler haben und wenn nötig rechtzeitig Dampf machen. Man muss sich ganz alleine aufraffen, etwas fürs Studium zu tun.

Das wird noch zusätzlich erschwert durch die Tatsache, dass es selten mehr als eine Klausur pro Fach und Semester gibt, und die dann ganz am Ende. Unterm Semester kann man nur zu oft die Beine hochlegen, die Klausur ist noch weit entfernt, zwei Wochen werden schon reichen, um den Stoff nachzuholen, den man jetzt nur allzu flüchtig überfliegt. Je länger man das so macht, desto fauler wird man, und dann kommen sie plötzlich alle auf einmal – die Klausuren. Jede Woche ein paar, Stoffmengen von anderthalb tausend Folien oder 300 Seiten komplexe mathematische Skripte wollen bewältigt und vor allem verstanden werden, und das alles in kürzester Zeit. Nicht jedem liegt das. Das „sich selbst Druck machen“ fällt schwer. Jetzt, wo der Bachelor das Diplom weitgehend abgelöst hat und das Studium wieder deutlich mehr leistungsorientiert wird, ist das aber dringend nötig. Die Schule ist vorbei, und man kann eine schlechte Note nicht mehr so einfach ausbügeln. Die bleibt, die wandert ins Zeugnis, wenn man nicht „Glück“ im Unglück hat und gleich ganz durchfällt. Die zweite Chance sollte man nutzen.

An der Uni kümmert sich keiner um dich. Da musst du alleine durch. Da musst du selbst entscheiden, ob du mehr Wert auf Spaß und Freizeit legst oder auf eine gute Ausbildung. Aber keine Sorge: Man kann locker die Waage halten. Denn unterm Semester hat man oft selbst mit Nacharbeiten und Hausaufgaben mindestens genauso viel Zeit wie damals in der Schule. Mit einem Unterschied: Jetzt bist du selbstständig und kannst machen, was du willst 😉

Emergency Room – Warum es 12h dauern kann, bis man von der Notaufnahme in stationäre Behandlung kommt

15:45 – Symptome einer altbekannten vaskulitären Krankheit entdeckt. Das letzte Auftreten derselben war mit 3 Wochen Krankenhausaufenthalt verbunden, das Ziel ist klar: Klinikum A.

16:10 – Von der Notaufnahme werde ich zum Notdienst, von da zurück zur Notaufnahme und schließlich wieder zum Notdienst geschickt. Eine kaugummikauende Schwester schaut sich meine Symptome an, legt den Kopf schief und meint: „und das wollen Sie jetzt untersucht haben? Sonntag ist natürlich schlecht.“ Gut, kein Problem, dann geh ich nach Hause und krepier da vor mich hin. Gnarf!

18:30 – Obwohl vor mir niemand wartet dauert es ewig, bis ich in den Untersuchungsraum kann. Was machen die da die ganze Zeit? Drinnen noch mal warten. Und noch mal. Untersuchung. Die Ärztin beschwert sich, dass die Standarduntersuchungen noch nicht gemacht worden sind. Ich bin ein „wahnsinnig interessanter Fall“! Dann: „wir warten jetzt mal auf die Ergebnisse aus der Blutuntersuchung.“

20:15 – Die Ergebnisse sind da, ich muss in eine andere Klinik, weil es dort eine Rheumatologie gibt. Sehr schade, wie die Ärztin findet, wo meine Krankheit doch so selten ist und normalerweise nur bei Kindern auftritt. „Warten Sie noch kurz, ich mache die Entlassungspapiere fertig.“

20:45 – Endlich raus aus dem kargen Kellerloch. Schnell noch was essen und nach Hause, die gepackte Tasche abholen.

21:50 – Ankunft in Klinik B. „Dann bereite ich jetzt die Aufnahme vor. Es kann noch ein wenig dauern. So eine Stunde?“ Juhu!

23:00 – Fast pünktlich kommt eine Schwester und holt mich ab. Im Untersuchungsraum muss ich zum zweiten Mal EKG, Blutdruck, Puls, Blutabnahme und co über mich ergehen lassen, sowie die obligatorischen Fragen nach Allergien, Medikamenten etc. Und zum zweiten Mal der skeptisch blickenden Schwester erklären, warum ich Betablocker nehmen muss. Ich bin hier nicht die Ärztin! „Gut, dann legen Sie sich noch mal hin, der Arzt kommt gleich.“

00:00 – Fühle mich vergessen.

00:10 – Schwester schaut noch mal vorbei. „Der Arzt kommt gleich.“

01:30 – Beginne mich zu fragen, wie unterschiedlich man das Wort ‚gleich’ verstehen kann. Bin schon mehrmals eingeschlafen.

02:15 – Die Schwester wieder. Es ist ihr peinlich. „Ich habe es ihm grade noch mal gesagt.“

02:50 – Der Arzt kommt! Und wieder Abhören, abtasten, alles, was das Herz begehrt. „Warum nehmen Sie Betablocker?“ gefolgt von dem obligatorischen „man hört ja gar nichts“, als ich von der Ursache erzähle und er mein Herz abhört. „Gut, dann sind hier ihre Papiere, dann können Sie hoch in die Rheumatologie.“

03:10 – Der Stationspfleger fragt mal wieder, welche Allergien ich habe und welche Tabletten ich nehmen muss. Juhu. „Dann bring ich Sie mal in Ihr Zimmer, aber Sie müssen noch warten, bis die Stationsärztin Sie angeschaut hat. Das kann noch ein wenig dauern.“ Heureka, noch mal das gleiche erzählen.

03:35 – Die Ärztin macht noch mal die gleiche Anamnese wie die zwei vor ihr. Das war nötig.

03:40 – Bett! Wenn doch nur ein bisschen Realität in amerikanischen TV-Serien stecken würde… oder ein bisschen Serie in der Realität.

Silvester-Sushi

MausDas neue Jahr ist jetzt schon ein paar Tage alt, und viel Schnee hat es mitgebracht. Die Advents-Schokoladenreste gehen langsam zur Neige, und die Ferien auch. Donnerstag geht die Uni wieder los, bis zu den Klausuren sind es auch nur noch wenige Wochen. Aber noch braucht man daran nicht zu denken. Ich denke lieber zurück an Silvester, wo wir leckeres Sushi gemacht haben. Sehet und staunet!

Sushi

Sie sehen: Sushi mit Lachs und Avocado, Sushi mit Salatgurke und eingelegtem Sesam, dazu Gurkenstreifen und eingelegter Ingwer. Dazu reichten wir Sake, sowie Sojasoße mit Wasabi. Ja, das sind zwei Portionen. Zu meiner Verteidigung muss ich sagen, dass ich meine immerhin nicht ganz geschafft habe.

SushiEs war eine Menge Arbeit, aber es hat Spaß gemacht, und lecker war es obendrein. Wenn ich Zeit und Lust habe kommt bald ein Eintrag mit einer genauen Anleitung, wie wir das gemacht haben, und welche Zutaten man dafür braucht.

Biologie für Laien, Teil 1: Warum altern wir?

BacteriaDie Biologie ist ein weites, faszinierendes Feld. In meinem Studium lerne ich viel über Molekularbiologie, Biochemie und Evolutionsbiologie, und bin immer wieder überrascht davon, wie viel man doch schon weiß. In dieser neuen Kategorie, „Biologie für Laien“, möchte ich auch andere ein wenig an diesem Wissen teilhaben lassen. Willkürlich herausgepickte Themen, die ich selbst für besonders interessant halte, und grundlegende Fakten oder Theorien, werde ich mehr oder weniger kurz und hoffentlich auch gut verständlich vorstellen.

Das erste Thema beschäftigt sich mit der Genetik des Alterns. Altern ist etwas, das wir selbst beobachten können, und das vielen Menschen offenbar Angst macht, wenn man betrachtet, wie viele angebliche Möglichkeiten es gibt, das Altern aufzuhalten. Wir sehen es an der Haut, die langsam faltig wird, an den Haaren, die weiß werden, an den häufiger werdenden Krankheiten und Beschwerden bei alltäglichen Tätigkeiten wie Gehen. Alles in allem scheint Altern etwas durch und durch Negatives zu sein. In diesem Beitrag werde ich erklären, warum es das nicht ist. Ich werde dabei auf folgende Punkte kurz eingehen:

  1. Warum gibt es keine negative Selektion für Alterung, d.h. warum sorgt Darwins natürliche Auslese nicht dafür, dass Menschen, die länger fit sind und länger leben, bevorzugt werden?
  2. Evolutionär gesehen: Wie kann Altern entstehen? Drei Theorien.
  3. Hypothese: Warum altern wir?
  4. Ausblick: Wie können wir das beeinflussen?

Keine Sorge, wenn das auf den ersten Blick etwas kompliziert wirkt: Ich setze keine Grundlagen voraus 😉

1. Warum gibt es keine negative Selektion für Alterung?

Wer mit Darwins Hypothesen zur natürlichen Auslese vertraut ist, kann den ersten Absatz überspringen.

Wie entsteht eine hoch entwickelte Tierart, die perfekt an ihre Umgebung angepasst ist? Laut Darwin ist die natürliche Selektion der Grund dafür. Das Prinzip ist leicht verständlich: Nehmen wir eine Tierart, die in einem Gebiet lebt, wo es viele Fressfeinde und viel hohe Gräser gibt. Zwei Individuen dieser Tierart können unterschiedlich groß sein (wie das auch beim Menschen ist); wenn jetzt Individuum A, nennen wir es Chip, besonders groß ist, während B (Chap) besonders klein ist, dann hat Chap einen evolutionären Vorteil. Das bedeutet zunächst einmal nur, dass Chap besser an die Lebensbedingungen angepasst ist, weil er sich leichter im Gras verstecken kann und so besser vor Fressfeinden geschützt ist. Als Folge davon wird Chap es schaffen, mehr Nachwuchs zu produzieren als Chip, der aufgrund seiner Größe wahrscheinlich früh gefressen wird. In der nächsten Generation gibt es also mehr kleine Individuen und wenige bis gar keine großen. Im Laufe der Zeit führt das dazu, dass es nur noch kleine Individuen gibt. So geschieht das mit allen Eigenschaften, bis eine Art optimal angepasst ist. Ist ein Merkmal etwas, das das Überleben eines Individuums positiv beeinflusst (z.B. besonders klein zu sein), spricht man von positiver Selektion, wird das Überleben negativ beeinflusst (wie bei extremer Größe), nennt man das negative oder reinigende Selektion, weil die Population von Individuen mit dieser Eigenschaft gereinigt wird.

Was hat all das mit Altern zu tun? Ganz einfach: Altern ist eine negative Eigenschaft, und wir haben gerade gelernt, dass Populationen durch Selektion von solchen negativen Eigenschaften gereinigt werden. Wie passt das zusammen? Bei beinahe jeder bisher bekannten Tierart wurde Altern festgestellt, und bei denen, bei denen es nicht festgestellt wurde, mag das einfach daran liegen, dass sie älter werden können als wir. Wie kann ein negatives Merkmal sich bei so vielen Arten durchsetzen? Theoretisch sollten Individuen, die länger leben, bevorzugt werden und so Altern nach und nach aus den Populationen verschwinden, bzw sich gar nicht erst entwickeln. Doch stimmt das wirklich?

Das Prinzip der natürlichen Selektion beruht auf Fortpflanzungserfolg. Besser angepasste Individuen können sich besser fortpflanzen als schlecht angepasste, und geben damit mehr ihrer Gene an die nächste Generation weiter. Wie ist das mit Altern? Es mag durchaus Gene geben, die dafür sorgen, dass jemand länger lebt und länger fit ist als andere. Man spricht ja auch von „guten Genen“, wenn langes Leben in der Familie zu liegen scheint. Wieso werden diese nicht bevorzugt? Ganz einfach, weil sie keinen Einfluss auf den Fortpflanzungserfolg haben. Ob jemand nach Veranlagung mit 55 stirbt oder mit 95, hat überhaupt keinen Effekt auf die Anzahl seiner Nachkommen. Das liegt daran, dass diese positiven/negativen Effekte erst nach Ende der Fortpflanzungsphase eintreten. Altern kann somit nicht „ausgerottet“ werden durch natürliche Selektion.

2. Wie kann Altern entstehen?

Es gibt drei Hypothesen zur Entwicklung von Altern, die auf dem eben beschriebenen Prinzip beruhen.

a) Die Mutations-Anhäufungs-Hypothese (mutation accumulation hypothesis)

Diese Hypothese sagt aus, dass Mutationen, die die Langlebigkeit eines Organismus negativ beeinflussen, nicht aussortiert werden und sich deshalb anhäufen können. Durch diese Anhäufung entsteht Altern und schließlich der altersbedingte Tod jeder Art.

b) Die Antagonistische-Pleiotropie-Hypothese (antagonistic pleiotropy hypothesis)

Diese Theorie konzentriert sich auf Gene/Eigenschaften, die während des Fortpflanzungsalters eine positive Auswirkung für den Organismus haben. Diese Gene werden wegen der natürlichen Selektion bevorzugt, selbst wenn sie später einen negativen Effekt haben sollten. Das heißt, dass selbst nur schwach positive Eigenschaften negative Auswirkungen im späteren Leben aufwiegen.

c) Die Einweg-Körper-Hypothese 😉 (disposable soma hypothesis)

Die letzte Hypothese sagt aus, dass die metabolischen Prozesse in unseren Zellen optimal darauf eingestimmt sind, die Waage zwischen Reproduktion und der Instandhaltung der Zellen zu halten. Sobald die Reproduktionsphase vorbei ist, gibt es keinen Grund mehr, die Zellen weiter instand zu halten – Der Körper ist ein Wegwerfprodukt, das seine Aufgabe mit der Fortpflanzung erfüllt hat und danach nicht mehr weiter umsorgt werden muss. Alterung wäre daraufhin eine Folge von mangelnden Instandhaltungs- und Reperaturprozessen im Körper.

3. Warum altern wir?

Welche dieser Hypothesen ist jetzt die wahrscheinlichste? Was ist der Grund dafür, dass wir altern? Viele Forscher glauben an die zweite Hypothese: Altern sei eine unvermeidliche Folge von bestimmten Prozessen, die sich positiv in jüngeren Jahren auswirken. Welche Prozesse könnten das sein? Auch da hat die Forschung schon eine ganze Reihe Antworten zu bieten. In unseren Zellen gibt es sehr viele Signalwege, Pathways genannt, an denen viele Proteine und Moleküle beteiligt sind. Ein Signal sorgt dafür, dass diese Signalketten in Gang gesetzt werden, wobei über viele Zwischenschritte am Ende eine Zellantwort auf das Signal aktiviert wird. Ein solcher Pathway ist der p53-Pathway. Auf ein äußeres Signal hin setzt dieser Pathway den Zelltod in Gang. p53 selbst sowie einige andere Proteine dieses Pathways scheinen einen direkten Einfluss auf Altern zu haben. In allen alternden Zellen sind diese Proteine aktiv, und durch Abschalten einiger davon kann man das Altern der Zellen abstellen. Sind hier die Verursacher für unser Altern gefunden? Und wenn ja, warum nutzt man dieses Wissen nicht aus, um Altern abzuschalten?

Die ethische Frage, ob man das tun sollte, wenn man dazu in der Lage wäre, mal außer Acht gelassen: Betrachten wir zunächst einmal, wofür der p53-Pathway überhaupt gut ist. Altern ist nur eine Konsequenz dieses Pathways; eigentlich ist seine Aufgabe etwas ganz anderes. Wie bereits oben erwähnt, setzt der Pathway den programmierten Zelltod in Gang. Warum aber sollte eine Zelle sich selbst zerstören? Um größeres Unheil zu vermeiden. Im Körper kann es immer wieder vorkommen, dass Zellen außer Kontrolle geraten. Wenn sie sich nun unkontrolliert vermehren, entstehen schnell Anhäufungen von gefährlichen Zellen – Krebs. Um dem Entstehen solcher Komplexe vorzubeugen, werden Zellen, die geschädigte DNA melden oder Einflüsse von außen, die zu Krebsentstehung führen können (z.B. radioaktive Strahlung), vorsichtshalber direkt vernichtet. Der p53-Pathway ist also eine Art Selbstschutz vor Krebs.

Jetzt wird auch der Zusammenhang klar: Wenn sich dieser Pathway entwickelt hat, um Krebsentstehung zu verhindern, ist klar, warum er positiv selektiert wird, selbst wenn Altern seine direkte Folge ist. Würde er nicht existieren oder wäre fehlerhaft, würden wir alle nicht so lange leben, dass wir Altern überhaupt miterleben könnten.

4. Wie können wir Altern beeinflussen?

Es ist klar, dass wir den p53-Pathway nicht abschalten können. Womöglich könnte man damit Altern hinauszögern, aber man würde damit auch ein extrem erhöhtes Krebsrisiko einkaufen, und somit die durchschnittliche Lebenserwartung senken, statt sie zu erhöhen. Wie lässt die sich überhaupt beeinflussen? Selbst wenn wir die Haupt-Todesursache heutzutage, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, tilgen könnten, würden wir die durchschnittliche Lebenserwartung um nur 5 Jahre verbessern. Viel lässt sich also nicht machen. Was man tun kann ist, viele Antioxidantien zu sich zu nehmen, also viele Früchte, die diese Stoffe enthalten. Das hängt nicht direkt mit dem p53-Pathway zusammen – der ist natürlich nicht die alleinige Altersursache. Freie Radikale und Telomerverkürzung spielen auch noch eine Rolle, aber darauf werde ich hier nicht eingehen. Fit bleiben im Alter ist natürlich ebenso wichtig, selbst Arbeit in den Körper stecken, um der Rückbildung des Muskelgewebes vorzubeugen.

Was wenig hilft sind so genannte Anti-Aging-Cremes. Hyaloronsäure soll da ja ganze Wunder vollbringen – theoretisch würde das sogar klappen. Doch die Hyaloronsäure ist ein ziemlich großes Molekül, das nicht so einfach in Zellen hineinkommt. Das heißt, gar nicht, wenn sie nicht darin vorgesehen ist und es einen speziellen Transportkanal dafür gibt. Schmiert man sich also eine Anti-Aging-Creme auf die Haut, dann bleibt sie auch genau da: Auf der Haut. Wo sie natürlich nichts bewirkt. Gesunde Ernährung, viel Fitness und vor allem auch geistige Forderung sind die besten Mittel, das Altern wenigstens so angenehm wie möglich zu machen. Aber das wusstet ihr sicher auch schon 😉