In München gibt es ein Festival, Tollwood, das etwas alternativ angehaucht ist. Man bekommt dort Essen aus aller Welt und kann allen möglichen esoterischen Kram kaufen. Jahrelang wurde an fast jedem Stand dort mit einem großen gelben Schild angepriesen: Genfreie Zone.
Dieses Schild ist für mich ein Zeichen der völligen Unwissenheit der Bevölkerung über alles, was mit Gentechnik zu tun hat. Gentechnik ist etwas schlechtes, und wir müssen verhindern, dass unser Essen gentechnisch verändert wird. Das soll dieses Schild aussagen: Unser Essen ist frei von Gentechnik. Natürlich ist es absurd, das als „Genfreie Zone“ auszuschildern, und das ist den Machern mittlerweile scheinbar auch klar geworden, denn die Aufschrift wurde vor einigen Jahren geändert. Die einzige genfreie Zone, die sich in unserem unmittelbaren Umfeld befindet, ist der Weltraum.
Jedes Lebewesen, vom Bakterium zum Schnabeltier, enthält Erbgut in Form von DNA in seiner/seinen Zellen, und dieses Erbgut wäre reichlich unnütz, würde es keine Gene enthalten. Als Gen bezeichnet man alles, was von der DNA abgelesen und übersetzt wird, nicht zwangsläufig aber häufig in ein Protein. Proteine sind die Arbeiter der Zelle, ohne sie wäre kein Leben möglich. Gene sind also essentiell, und eine genfreie Zone ist alles andere als wünschenswert.
Aber kommen wir zurück zur gentechnikfreien Zone. Was ist Gentechnik? In der so genannten grünen Gentechnik werden bei Lebensmitteln wie Tomaten oder Mais mittels so genannter Vektoren gezielt das Erbgut verändert, um einen gewünschten Effekt zu erzielen. Eines der berühmtesten Beispiele ist die Anti-Matsch-Tomate, bei der effektiv ein Gen abgeschaltet wurde, das die Zellwände abbaut. Die Anti-Matsch-Tomate kann deshalb länger reifen und wird nicht so schnell schlecht wie eine normale Tomate.
Ich verstehe, dass das für viele Leute erst einmal unheimlich klingt. Vielleicht spielt da der Aspekt rein, dass der Mensch „Gott spielt“ und die Natur verändert, wahrscheinlicher aber ist einfach nur, dass sie nicht verstehen, was passiert. Es gab eine Studie, bei der sich herausstellte, dass ein Großteil der Menschen denkt, wenn sie gentechnisch veränderte Lebensmittel zu sich nehmen, würde sich auch ihr eigenes Erbgut verändern. Das ist natürlich Quatsch. Wenn man eine Anti-Matsch-Tomate isst, merkt der Körper das überhaupt nicht.
Dass die Technik so weit ist, dass wir gezielt Erbgut verändern können, ist an sich etwas Großartiges. Es zeigt, welche Erfolge wir in der Forschung geschafft haben, die Zelle so weit zu verstehen und gezielt eingreifen zu können. Wie genau das gemacht wird, ist erstmal egal. Grüne Gentechnik hat nämlich eine verblüffende Ähnlichkeit zu etwas, das die Menschheit schon immer gemacht hat: Wir verändern gezielt das Erbgut von Pflanzen und Lebewesen, um einen für uns gewünschten Effekt zu erzielen, nicht erst seit der grünen Gentechnik.
Züchtung. Es gibt zwei große Unterschiede zwischen Züchtung und grüner Gentechnik: Grüne Gentechnik ist gezielt und hat weniger unerwünschte Nebeneffekte, und die Umsetzung ist eine andere. Das Ziel ist das gleiche. Nehmen wir mal den Mais als Beispiel, denn Mais ist ein Gemüse, das am häufigsten gentechnisch verändert wird. Der Mais, den wir heute essen, hat mit dem ursprünglichen Mais nichts mehr zu tun. Sowohl optisch, als auch genetisch. Über sehr lange Zeiträume wurde Mais so hingezüchtet, dass er eine möglichst große Ausbeute bringt und gegen möglichst viele Insekten resistent ist. Für mich ist das auch Gentechnik, wenn auch sehr langsame.
Ein sehr viel grausameres Beispiel findet sich in der Tierwelt. Hunde und Katzen werden, wie viele andere Tierarten, schon seit sehr langer Zeit gezüchtet. Deshalb gibt es so viele verschiedene Rassen – nicht, weil der liebe Gott so viele Tierarten haben wollte, sondern weil der Mensch sie geschaffen hat. So viel zum Thema Gott spielen. Ein offensichtlicher Zuchtfall ist der Dackel, der auf „kurze Beine“ optimiert wurde, um besser in Hasenbauten zu passen. Erlaubt hat uns das niemand, aber darüber beschwert hat sich auch nie jemand, egal wie oft einem ein Dackel über den Weg läuft, der seinen eigenen Bauch über den Boden schleift.
Andere Hunderassen wurden so gezüchtet, dass sie oft nicht mehr selbst gebären können, weil ihre Köpfe zu groß und ihre Becken zu schmal sind. Bei französischen Bulldoggen zum Beispiel muss häufig mit einem Kaiserschnitt nachgeholfen werden. Da Züchtung weniger gezielt vorgehen kann als Gentechnik, wurde hier auch oft zum Inzest gegriffen, um ein bestimmtes Merkmal durchzusetzen. Angenommen, man hat ein Merkmal wie helle Augen, das extrem selten ist, das man aber gerne in nachfolgenden Generationen hätte. Nehmen wir auch an, dieses Merkmal wird von einem einzigen Gen ausgelöst, auch wenn das in der Realität so gut wie nie vorkommt. Ein seltenes Merkmal bedeutet üblicherweise, dass das Allel, d.h. die Variante des Gens, die für helle Augen sorgt, rezessiv ist. Säugetiere haben von jedem Gen zwei Kopien, eine von Mutter und eine vom Vater, d.h. sie haben zwei Allele, zwei Genvarianten. Wenn eines davon rezessiv ist, wird es nicht verwendet, sondern die andere Kopie. In der Praxis bedeutet das, dass ein Welpe von einem Hundepapa mit hellen Augen und einer Hundemama mit dunklen Augen ebenfalls dunkle Augen hätte. Um so sicher wie möglich zu gehen, dass helle Augen rauskommen, müsste man zwei Elternteile mit hellen Augen haben, und die findet man am ehesten im selben Wurf.
Inzest ist deshalb problematisch, weil das Erbgut sich zu ähnlich ist, und die beiden Allele der verschiedenen Gene damit auch. Effektiv heißt das, dass, wenn ein Allel defekt ist, es bei zu eng verwandten Eltern dazu führt, dass beide Allele defekt sind. Bei gemischten Eltern kann das defekte Allel durch ein richtiges ausgeglichen werden, hier nicht. Deshalb führt Inzest sehr häufig zu Behinderungen.
Alles in allem finde ich Züchtung äußerst problematisch und würde mir nie einen reinrassigen Hund kaufen, bin aber etwas verwundert darüber, dass Züchtung in der breiten Öffentlichkeit so auf Akzeptanz stößt. Der Hauptgrund dafür ist wohl, dass es schon immer gemacht wurde, und dass es scheinbar keine magischen Schritte involviert. Dass genauso das Erbgut gezielt verändert wird wie bei Gentechnik ist vielen gar nicht bewusst.
Ich möchte mit diesem Beitrag niemanden überzeugen, pro Gentechnik zu sein. Es gibt immer noch Gründe, es nicht zu befürworten, zum Beispiel die Gefahr, dass die Wildformen der Pflanzen aussterben. Aber wer gegen grüne Gentechnik ist, sollte sich darüber im Klaren sein, dass auch die herkömmliche Tomate, der herkömmliche Brokkoli und allen voran der ganz gewöhnliche Mais genetisch vom Menschen verändert wurden. Er sollte sich auch nicht unbedingt eine Vase mit gelb-rot-gefleckten Tulpen auf den Küchentisch stellen und dann über die ach so böse Gentechnik wettern. Am besten sollte er sich erst einmal darüber informieren, wie das eigentlich alles funktioniert.
10 Kilo in 2 Wochen! Solche und aehnliche Schlagzeilen versprechen Brigitte, Lisa, Laura und co (warum tragen Frauenzeitschriften eigentlich so haeufig Frauennamen?). Und damit treffen sie genau den Nerv der Zeit. Schlank wollen wir sein, schlank SOLLEN wir sein, Zeit haben wir keine, und viel Energie investieren ins Erreichen dieses Ziels wollen wir auch nicht. Scheinbar. Denn jede Woche findet man auf unzaehligen Zeitschriften solche Wunderdiaeten, und hier bestimmt die Nachfrage das Angebot.
Seit Hollywood sich still und leise unbemerkt in unser Leben eingeschlichen hat, wissen wir Frauen es alle: Wenn ein Mann sich nicht innerhalb von zwei, maximal drei Tagen nach einem Date meldet, dann hat er kein Interesse! Auf keinen Fall darf man sich als Frau selbst melden, damit macht man sich zu verfuegbar und gibt freiwillig die uns Frauen zu Beginn der Datingphase innewohnende Macht-Position auf, die sonst erst mit dem Sex faellt. Und deshalb sitzen immer wieder Frauen vor Telefonen, schauen alle fuenf Minuten auf ihr Handy, obwohl es ja eigentlich vibrieren wuerde, wenn eine SMS kaeme, und rufen drei Mal so haeufig wie sonst ihre Emails ab.



